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Kreativität braucht Führung, die Wohlbefinden und Leistung verbindet

Positive Emotionen, psychologische Sicherheit und sinnstiftende Führung schaffen die Bedingungen, unter denen Kreativität systematisch entsteht – nicht trotz, sondern wegen der Komplexität.

Datum 11. Oktober 2023
Lesezeit 8 Min. Lesezeit
01
Führung als Leistungsfaktor

Kreativität ist kein Zufall – sie ist das Ergebnis eines Systems

Kreativität gilt in vielen Organisationen noch als persönliches Talent einzelner Menschen. Das greift zu kurz. Kreativität ist ein systemisches Ergebnis – sie entsteht dort, wo Führung die Bedingungen schafft, unter denen Menschen Risiken eingehen, Ideen teilen und Neues ausprobieren können.

Vor zwei Jahren begleitete ich ein mittelgrosses Softwareunternehmen durch eine Phase der Neuausrichtung. Die bisherige Steuerung über enge Kennzahlen und Vorgaben hatte die Ideenvielfalt erstickt. Als die Führungskräfte begannen, Elemente des PERMA®-Lead-Modells einzuführen – regelmässige Stärken-Reflexionen, transparente Entscheidungen und bewusste Momente der Wertschätzung –, veränderte sich etwas Fundamentales. Nach neun Monaten meldeten die Teams mehr als doppelt so viele umgesetzte Verbesserungsvorschläge wie im Vorjahr. Die Menschen waren nicht plötzlich „kreativer“ geworden. Das System hatte begonnen, ihr Potenzial freizusetzen.

02
Die Broaden-and-Build-Wirkung

Positive Emotionen öffnen den Raum für Neues

Positive Emotionen sind kein nettes Beiwerk. Sie sind der Mechanismus, der unser Denken erweitert. Barbara Fredrickson hat in ihrer broaden-and-build-Theorie gezeigt, dass Freude, Dankbarkeit oder Interesse den momentanen Gedanken- und Handlungsspielraum vergrössern. Menschen in positiver Stimmung erkennen mehr Zusammenhänge, lösen Probleme flexibler und wagen eher unkonventionelle Wege.

Neurobiologisch lässt sich das durch Dopamin erklären: Es stärkt Verbindungen im Gehirn und erleichtert den Zugriff auf vorhandenes Wissen. Eine interessante Nuance: Nicht alle Menschen profitieren gleich stark. Personen mit niedrigerem tonischem Dopamin-Spiegel reagieren besonders sensibel auf positive Stimmungsinduktionen. Für Führungskräfte bedeutet das: Es reicht nicht, „positiv drauf“ zu sein. Es braucht gezielte Momente, in denen positive Emotionen bewusst entstehen können – durch echtes Interesse, durch das Feiern kleiner Fortschritte oder durch die Schaffung von Autonomie.

03
Psychologische Sicherheit im System

Ohne Sicherheit keine echten Risiken

Kreativität stirbt dort, wo Angst herrscht. Amy Edmondson hat in ihren Studien zu Teamlernen nachgewiesen: Psychologische Sicherheit – das geteilte Gefühl, dass man interpersonale Risiken eingehen kann, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen – ist der stärkste Prädiktor für Lernverhalten und innovative Leistung in Teams.

In den Organisationen, die ich begleite, sehe ich immer wieder dasselbe Muster: Solange Fehler als persönliches Versagen gelten, bleiben gute Ideen unausgesprochen. Besonders in Veränderungsprozessen, die ohnehin Belastung erzeugen können, ist diese Sicherheit keine Nettigkeit. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Veränderung nicht als Bedrohung, sondern als Entwicklung erlebt wird. Führungskräfte, die vorleben, dass Fragen und Zweifel willkommen sind, schaffen ein System, in dem Innovation nicht trotz, sondern wegen der Unsicherheit entsteht.

04
Was PERMA®-Lead wirklich misst

Die Bedingungen, unter denen Menschen ihr Bestes geben

Das PERMA®-Modell – Positive Emotionen, Engagement, Beziehungen, Meaning und Accomplishment – bietet einen wissenschaftlich fundierten Rahmen, um genau diese Bedingungen zu gestalten. Neuere Erweiterungen um physische Gesundheit und wirtschaftliche Sicherheit unterstreichen seine Relevanz für den Arbeitskontext. Entscheidend ist: PERMA®-Lead misst nicht Stimmung, sondern die Voraussetzungen, unter denen Menschen ihr Bestes geben können.

Systematische Übersichten bestätigen den direkten Zusammenhang zwischen PERMA®-Wohlbefinden und innovativem Arbeitsverhalten. Wenn Mitarbeitende erleben, dass ihre Arbeit Sinn stiftet und mit ihren Werten übereinstimmt, entsteht intrinsische Motivation. In diesem Zustand – oft Flow genannt – fliessen Ideen fast von selbst. Systemisch betrachtet erzeugt eine Organisation, die PERMA®-Lead lebt, Verhalten, das Innovation systematisch begünstigt. Nicht durch Appelle an die Einzelnen, sondern durch die Gestaltung des gesamten sozialen und strukturellen Gefüges.

Symbolbild einer sich öffnenden Blütenknospe im Morgenlicht als Metapher für erwachende Kreativität
05
Was bleibt

Das System, das Sie erzeugen

Kreativität und Innovation sind keine Ziele, die man verordnet. Sie sind Nebenprodukte einer Führungshaltung, die Wohlbefinden und Leistung als untrennbar begreift. Organisationen, die diesen Weg gehen, erzielen nicht nur bessere Ergebnisse. Sie werden zu Orten, an denen Menschen wachsen – und damit die Organisation selbst resilienter und zukunftsfähiger machen.

Die Frage, die ich Führungskräften immer wieder stelle: Welches System erzeugen Sie gerade in Ihrem Team? Eines, das Potenzial blockiert – oder eines, das es zum Vorschein bringt?

Hinweis

Dieser Artikel basiert auf aktuellen Erkenntnissen aus der Organisationspsychologie und betrieblichen Gesundheit. Er dient der Reflexion, nicht als Rat.

Quellen
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